
U-Bahnhof Volksdorf & die Walddörferbahn
Die Geschichte der Walddörferbahn und ihre Bedeutung für Volksdorf
Ein Staatsvertrag zwischen Hamburg und Preußen
Inhaltsübersicht
Warum die Bahn gebaut wurde
Ein Staatsvertrag zwischen Hamburg und Preußen
Volksdorf war bis 1937 eine Hamburger Exklave — geografisch von Preußen umgeben, politisch zu Hamburg gehörig. Politische und stadtplanerische Verhandlungen führten 1912 zu einem Staatsvertrag zwischen Hamburg und Preußen: Hamburg durfte seine Bahn durch preußisches Gebiet bauen — im Gegenzug durfte Preußen die Alstertalbahn über Hamburger Gebiet führen.
Bereits 1904 wurde eine Kleinbahnstrecke zwischen Volksdorf und Alt-Rahlstedt eingerichtet. Der Volksdorfer Kleinbahnhof befand sich westlich des heutigen U-Bahnhofes — dort, wo heute der Wochenmarkt stattfindet. Heinrich von Ohlendorff hatte ihre Entstehung maßgeblich betrieben, weil er schnell von seinem Volksdorfer Gut in die Stadt wollte.
Der Bau und der Krieg
Belgische Dampflokomotiven als Notlösung
Ein Großteil der Bauarbeiten wurde bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges fertiggestellt. Dann kam der Krieg — und die Elektrifizierung scheiterte am Materialmangel. Die Volksdorfer drängten. Die Lösung war so absurd wie pragmatisch: Behelfsmäßig wurde am 12. September 1918 der Betrieb mit belgischen Dampflokomotiven — Kriegsbeute — aufgenommen, die kurze Zeit später an Belgien zurückgegeben werden mussten. Nach der Rückgabe 1919 stand die Bahn komplett still. Volksdorf war wieder abgeschnitten.
Die Elektrifizierung
Ab 1920 wurde die Strecke schrittweise elektrifiziert: September 1920 Barmbek–Volksdorf, November 1921 Volksdorf–Großhansdorf, Februar 1925 Volksdorf–Ohlstedt. Mit dem elektrischen Betrieb ab 1920 begann die eigentliche Geschichte Volksdorfs als Wohnort für Hamburger Bürger. Wer in der Stadt arbeitete und auf dem Land wohnen wollte, konnte das nun tun. Die Kleinbahn stellte 1922 den Personenverkehr nach Altrahlstedt ein, die Reststrecke Ohlstedt–Wohldorf 1961.
Der Bahnhof
Ein Trennungsbahnhof, der aus dem Rahmen fällt
Der U-Bahnhof Volksdorf ist ein Trennungsbahnhof mit drei Gleisen an zwei Bahnsteigen — Ausgangspunkt der beiden Nordost-Äste der U1 nach Ohlstedt und Großhansdorf. Architekt war Eugen Göbel, Oberbaurat der Hamburger Baudeputation 1906–1930. Die Stationsgebäude gelten als sein Hauptwerk. Bei der architektonischen Ausgestaltung wurde weitestgehend auf den landhausmäßigen Charakter der Gegend Bezug genommen — Backsteinbau im Heimatstil.
Bei der Renovierung Ende der 1990er Jahre konnte eine noch mit den Original-Fliesen verkleidete Säule wieder freigelegt werden. Eine einzige Säule, vollständig original gefliest, als lebendiges Zeugnis des Bahnhofs von 1918. Wer sie sucht, findet sie.
Der Bahnhof und der Stadtteil
Wer verstehen will, warum Volksdorf so aufgebaut ist wie es ist — Wochenmarkt direkt am Bahnhof, Weiße Rose fußläufig, Museumsdorf und Ohlendorffsche Villa im Radius von zehn Minuten — muss den Bahnhof als Ursprungspunkt verstehen. Der U-Bahnhof hat die Logik des Stadtteils definiert. Ohne die Bahn kein Zuzug, ohne Zuzug keine Schulen, keine Weiße Rose, kein Wochenmarkt in dieser Form.
Praktische Informationen
Linie: U1 Hamburg
Direktverbindungen ab Volksdorf: Hauptbahnhof ca. 25 Min. · Jungfernstieg ca. 28 Min. · Barmbek ca. 12 Min.
Takt: Werktags 5–10 Minuten, je nach Tageszeit
Busverbindungen: Metrobus 24 · Stadtbus 174 · Ringlinie 375 · VHH 269
Barrierefreiheit: Vollständig barrierefrei, zwei Aufzüge
Elektrische Kleinbahn Alt-Rahlstedt–Volksdorf–Wohldorf
Staatsvertrag Hamburg–Preußen, Baubeginn Walddörferbahn
Provisorische Eröffnung mit belgischen Dampflokomotiven
Elektrischer Betrieb Barmbek–Volksdorf
Elektrifizierung Volksdorf–Großhansdorf
Elektrifizierung Volksdorf–Ohlstedt
Einstellung der Restkleinbahn Ohlstedt–Wohldorf
Umfassende Renovierung, Einbau Aufzüge, Freilegung Original-Fliesensäule
Abschluss Großprojekt Brücken Volksdorf — vier Brücken saniert/neu gebaut
