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Museumsdorf

Museumsdorf

Volksdorf

Hamburgs einziges Freilichtmuseum — seit 1624 am selben Ort

Hamburgs einziges Museumsdorf liegt im Stadtteil Volksdorf, auf dem Gelände, das als Keimzelle des einstigen Walddorfes gilt. Es ist kein Museum im klassischen Sinn — kein Gebäude, kein Eingang, keine Kasse am Eingang. Das Gelände ist täglich außer montags frei zugänglich, die Tiere sind da, der Garten wächst, der Rauch aus dem offenen Herd im Spiekerhus zieht durch die Diele.

Inhaltsübersicht

Der Ort

Was ist das Museumsdorf Volksdorf?

Hamburgs einziges Museumsdorf liegt im Stadtteil Volksdorf, auf dem Gelände, das als Keimzelle des einstigen Walddorfes gilt. Das Ziel ist es, das Leben und Arbeiten in den Hamburgischen Walddörfern zwischen dem Ende des 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts lebendig zu zeigen.

Das gelingt hier besser als in den meisten Freilichtmuseen — weil das Gelände kein abgezäunter Sonderbereich ist, sondern Teil des Stadtteils geblieben.

Das Gelände ist täglich außer montags frei zugänglich. Kein Eingang, keine Kasse. Die Tiere sind da, der Garten wächst, der Rauch aus dem offenen Herd im Spiekerhus zieht durch die Diele.

Was das Museumsdorf von einem Heimatmuseum unterscheidet, ist seine Haltung: Hier wird nichts hinter Glas gestellt. Die Gebäude werden genutzt, die Felder bestellt, die Tiere versorgt.

Das Spiekerhus von 1624

Die Gebäude

Elf Häuser, vier Jahrhunderte

Das Spiekerhus

Das älteste und bedeutendste Gebäude ist das Spiekerhus — ein reetgedecktes niederdeutsches Fachhallenhaus, erbaut 1624. Es hat seinen Platz nie gewechselt.

Von der Konstruktion her handelt es sich um ein niederdeutsches Fachhallenhaus in Zwei-Ständer-Bauweise, 26 Meter lang und 13,5 Meter breit.

2010/11 wurde das Spiekerhus zum Rauchhaus zurückgebaut — der Herd brennt wieder offen, der Rauch zieht durch den Dachstuhl wie seit Jahrhunderten.

Der Harderhof

Der Harderhof von 1757 ist das zweite große Gebäude. Er wird heute als Schaubauernhof geführt — mit Kaltblutpferden, Ochsen, Schafen, Ziegen, Hühnern und Puten.

Die weiteren Gebäude

Die anderen Gebäude auf dem Gelände sind teils Originale, teils sorgfältig translozierte oder nachgebaute Bauten. Zusammen bilden diese elf Gebäude ein Ensemble, das nicht als Rekonstruktion gemeint ist.

Der Harderhof von 1757

Die Vorgeschichte

Fast abgerissen

1960: Ein Planungsentwurf sah Abriss vor

1960 standen auf dem heutigen Gelände das verfallene Spiekerhus, der heruntergekommene Harderhof und das Instenhaus. Ein Planungsentwurf der Baubehörde sah vor, die Gebäude abzureißen.

Es sind Volksdorfer Bürger gewesen, die das verhindert haben. Die Gründungsversammlung des Vereins De Spieker fand am 18. Dezember 1962 statt.

2003: Die zweite Krise

2003 strich die Stadt Hamburg jegliche finanzielle Förderung. 2007 wurde die Stiftung Museumsdorf Volksdorf gegründet — seither ist der Bestand gesichert.

Aber die Episode von 2003 hat eine Lektion hinterlassen: Was hier steht, steht nicht weil es selbstverständlich ist. Es steht, weil Menschen dafür gekämpft haben.

Die Hummelsbütteler Grützmühle

Landwirtschaft und Alltag

Was hier gezeigt wird — und wie

Das Museumsdorf ist kein Heimatmuseum im Sinne eines Archivs von Objekten. Es ist ein gelebter Betrieb, der historische Landwirtschaft als lebendige Praxis zeigt.

Der Harderhof wird als Schaubauernhof geführt. Im Frühjahr werden die Äcker mit den Pferden umgepflügt. Im Sommer ziehen die Museumsbauern mit der Sense aufs Feld.

Das Rauchhaus

Die Entscheidung, das Spiekerhus 2010 zum Rauchhaus zurückzubauen, war keine kleine. Das Gebäude funktioniert wieder so, wie es gebaut wurde.

Das Rauchhaus riecht nach Holzrauch. Es ist dunkel. Es ist eng. Und es ist das Eindrücklichste, was man in Volksdorf erleben kann.

Die Wohldorfer Schmiede

Das Museumsdorf im Stadtteil

Nicht apart, sondern mittendrin

Das Museumsdorf ist kein Ausflugsziel, das man eigens ansteuert. Es ist Teil des Alltags von Volksdorf.

Die Lage ist zentral. Fußläufig von der U-Bahn-Station Volksdorf, fußläufig vom Wochenmarkt, fußläufig von der Weißen Rose.

Das Verhältnis zur Weißen Rose

Das Museumsdorf und die Weiße Rose liegen keine fünf Gehminuten voneinander entfernt — und bilden zusammen das stärkste Argument für Volksdorf als Ort mit Charakter.

Die Architektur des Geländes

Bauernhof als Raumkomposition

Das Museumsdorf ist keine Sammlung von Gebäuden, die zufällig nebeneinanderstehen. Die Anordnung erzeugt eine räumliche Erfahrung, die man in Hamburg sonst nicht macht.

Der Übergang vom Straßenraum ins Museumsgelände ist bewusst sanft gehalten. Man geht einfach hinein.

Die Sichtachsen zwischen den Gebäuden sind kurz. Man sieht nie das ganze Gelände auf einmal. Das erzeugt eine Intimität, die man eher aus Dörfern kennt als aus Museen.

Die Konstruktionsweise erzählt von einer Baukultur, die in Norddeutschland fast vollständig verschwunden ist: Fachwerk mit Lehmfüllung, Reetdeckung, offene Dielenräume. Das niederdeutsche Hallenhaus ist der Typus, der hier dominiert.

Verein und Stiftung

Wer das Museumsdorf trägt

Das Museumsdorf wird getragen vom Verein De Spieker e.V., gegründet am 18. Dezember 1962, und der 2007 gegründeten Stiftung Museumsdorf Volksdorf.

Die Geschichte des Vereins ist eine Geschichte von Bürgern, die sich gegen eine Verwaltung durchgesetzt haben.

2003 strich die Stadt jegliche Förderung. Der Verein hat nicht nur überlebt, sondern danach die umfangreichsten Renovierungen der Vereinsgeschichte angestoßen.

Das Modell funktioniert, weil es in eine Gemeinschaft eingebettet ist, die das Museumsdorf als ihres betrachtet. Das Museumsdorf lebt nicht von Fördermitteln — es lebt von Volksdorf.

Historischer Weihnachtsmarkt im Museumsdorf

Veranstaltungen

Vier Märkte und das Jahr dazwischen

Viermal jährlich verwandelt sich das Museumsdorf in einen Marktplatz. Diese Märkte sind keine Touristenattraktionen. Sie sind Volksdorfer Termine.

Der Frühjahrsmarkt

April / Mai

Pflanzen, Saatgut, Gartengeräte, erste Tiere des Jahres. Der Auftakt nach dem Winter.

Die Johanneshöge

Ende Juni

Das Sommerfest des Museumsdorfs, benannt nach dem Johannistag. Handwerk, Musik, Lagerfeuer.

Der Herbstmarkt

Oktober

Ernte, Einlagerung, der Geruch von Äpfeln und nassem Stroh.

Der Historische Weihnachtsmarkt

Dezember

Einer der ältesten und ruhigsten Weihnachtsmärkte Hamburgs. Kein Glühweinzelt, keine Fahrgeschäfte.

Besuch & Öffnungszeiten

Täglich außer montags — Eintritt frei

Das Gelände des Museumsdorfs ist zu den Öffnungszeiten frei zugänglich. Führungen durch die Innenräume finden täglich um 15:00 Uhr statt und dauern ca. 90 Minuten.

Öffnungszeiten

Dienstag – Sonntag: Gelände frei zugänglich

Montag: geschlossen

Führungen: täglich 15:00 Uhr (ca. 90 Min.)

Eintritt Führung: 4 € Erwachsene, 1 € Kinder

Adresse & Anfahrt

Im Alten Dorfe 46–48

22359 Hamburg

U1 Volksdorf, dann ca. 8 Min. zu Fuß

museumsdorf-volksdorf.de

Lage

Street View

Karte

Schulklassen und Gruppen können museumspädagogische Programme buchen — Backhaus, Schmiede, Dreschflegel, Butterherstellung.

Zeittafel

Das Museumsdorf in der Volksdorfer Geschichte

1624Bau des Spiekerhus
1757Bau des Harderhofs
um 1900Ende der aktiven bäuerlichen Nutzung
1960Hamburger Baubehörde plant Abriss
1962Gründung des Vereins De Spieker e.V.
1965Eröffnung des Museumsdorfs
2003Stadt Hamburg streicht Förderung
2007Gründung der Stiftung Museumsdorf Volksdorf
2010/11Rückbau des Spiekerhus zum Rauchhaus