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Stadtplanung & das Groß-Hamburg-Gesetz

Stadtplanung & das Groß-Hamburg-Gesetz

Ein Überblick über die Entwicklung Volksdorfs und seine Stadtplanung

Bis 1937 waren die Walddörfer — Farmsen, Berne, Volksdorf, Ohlstedt, Wohldorf, Schmalenbeck und Großhansdorf — Hamburger Exklaven im preußischen Gebiet. Sie waren im späten Mittelalter in Hamburger Besitz geraten, der Besitzanspruch Hamburgs wurde im Gottorper Vergleich von 1768 mit dem dänischen König dokumentiert. Volksdorf gehörte zu Hamburg, war aber von preußischem Territorium umgeben.

Inhaltsübersicht

Die Hamburger Exklave

Bis 1937 waren die Walddörfer — Farmsen, Berne, Volksdorf, Ohlstedt, Wohldorf, Schmalenbeck und Großhansdorf — Hamburger Exklaven im preußischen Gebiet. Sie waren im späten Mittelalter in Hamburger Besitz geraten, der Besitzanspruch Hamburgs wurde im Gottorper Vergleich von 1768 mit dem dänischen König dokumentiert. Volksdorf gehörte zu Hamburg, war aber von preußischem Territorium umgeben.

Dieser Sonderstatus hatte praktische Konsequenzen: Wer von Volksdorf nach Hamburg wollte, fuhr durch Preußen. Der Bau der Walddörferbahn erforderte 1912 einen eigenen Staatsvertrag zwischen Hamburg und Preußen — Hamburg durfte die Trasse durch preußisches Gebiet legen, Preußen durfte die Alstertalbahn durch hamburgisches Gebiet führen. Ein Tauschgeschäft als Infrastrukturbedingung.

Das Groß-Hamburg-Gesetz 1937

Das "Gesetz über Groß-Hamburg und andere Gebietsbereinigungen" wurde am 26. Januar 1937 erlassen und trat am 1. April 1937 in Kraft. Es war ein nationalsozialistisches Gesetz — Teil des Vierjahresplans, vorbereitet von Hermann Göring als preußischem Ministerpräsidenten, mitunterzeichnet von ihm. Ziel war es, Hamburg zur "Führerstadt" auszubauen und seine wirtschaftliche Basis zu stärken.

Für Volksdorf bedeutete das Gesetz: Die 500 Jahre alte Exklaven-Situation endete. Volksdorf wurde formal, was es faktisch längst war — ein Hamburger Stadtteil. Die Walddörfer wurden zusammen mit Altona, Wandsbek, Harburg-Wilhelmsburg und 27 weiteren Gemeinden eingemeindet.

  • Hamburgs Fläche wuchs um 80%
  • Einwohnerzahl um 40%

Fritz Schumacher und das Achsenkonzept

Noch bevor das Groß-Hamburg-Gesetz kam, hatte Fritz Schumacher — Hamburgs Oberbaudirektor von 1909 bis 1933 — ein "Achsenkonzept" für die Hamburger Stadtentwicklung entworfen. Es orientierte sich nicht an politischen Grenzen, sondern an den ins Umland führenden Verkehrswegen. Die Walddörferbahn war eine dieser Achsen.

Schumacher baute auch die Walddörfer Schule — den Schumacher-Bau von 1930, das architektonische Herz des Volksdorfer Schulwesens. Seine Backsteinarchitektur ist das physische Erbe dieser Haltung.

Stadtplanung nach dem Krieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich der Volksdorfer Wohnungsbau grundlegend. Bis 1945 waren fast ausschließlich Einzel- und Doppelhäuser gebaut worden — das Erbe der Parzellierungsphase. In den Nachkriegsjahrzehnten kamen Reihenhaussiedlungen hinzu, ab 1972 auch Wohnblocks für den sozialen Wohnungsbau.

Die 1970er Jahre brachten die letzte große städtebauliche Prägung: die Weiße Rose 1977/78. Sie ist kein Einzelfall — sondern exemplarisch für die Hamburger Stadtplanung dieser Zeit.

Die Buckhorn-Siedlung

Ab 1949 ließ die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Walddörfer zwischen Volksdorfer Damm, Ohlendorffs Tannen und Bahnhof Buckhorn die Buckhorn-Siedlung mit 520 Wohnungen und 53 Reihenhäusern errichten. Diese Siedlung ist das Pendant zur organisch gewachsenen Villenkolonie — geplant, verdichtet, sozial durchmischt.

Die Buckhorn-Siedlung war der Anlass für das Gymnasium Buckhorn (1966) — eine direkte Kausalkette von Stadtplanung zu Schulbau. Volksdorf wuchs, und mit ihm seine Institutionen.

1437

Volksdorf wird Hamburger Exklave — de facto für 500 Jahre

1768

"Gottorper Vergleich" bestätigt Hamburger Besitzanspruch

1904

Kleinbahn-Anbindung — erste Verkehrsachse nach Hamburg

ab 1906

Fritz Schumacher entwickelt Achsenkonzept für Hamburg

1912

Staatsvertrag Hamburg-Preußen für Walddörferbahn

1913

Erster Bebauungsplan Volksdorf — 25 Terraingesellschaften parzellieren

1920

Elektrifizierung Walddörferbahn — Wachstumsschub beginnt

1930

Schumacher-Bau (Schulzentrum) — Hamburg plant für Volksdorf

1. April 1937

Groß-Hamburg-Gesetz — Volksdorf wird formal hamburgerisch

ab 1949

Buckhorn-Siedlung — erste Nachkriegs-Großsiedlung in Volksdorf

1972

Erste Wohnblocks in Volksdorf

1977/78

Weiße Rose — letzter großer Stadtplanungsakt in Volksdorf

heute

Volksdorf weitgehend bebaut, kaum noch Baulücken