
Geologie & Landschaft in Volksdorf
Die Eiszeit und die geologischen Besonderheiten Volksdorfs
Vor 12.000 Jahren: Ein Gletscher formt die Landschaft
Inhaltsübersicht
Die Weichseleiszeit
Vor 12.000 Jahren: Ein Gletscher formt die Landschaft
Die letzte Eiszeit — die Weichsel-Kaltzeit — endete vor etwa 11.700 Jahren. Ihr Höhepunkt lag vor ca. 20.000 Jahren, als eine riesige Gletschermasse von Skandinavien bis zur heutigen Linie Hamburg–Berlin–Warschau vorstieß. Der Gletscher formte die norddeutsche Tiefebene vollständig um: Er schob Gestein vor sich her, schuf Hügel, ließ Findlinge zurück, grub Rinnen, hinterließ Moränen.
Volksdorf liegt genau an der Linie, bis zu der dieser Gletscher vorgedrungen ist. Der Mellenberg ist das physische Dokument dieses Vorstoßes: eine Satzendmoräne, entstanden an der Stirnseite des Gletschers, als dieser seine Lage über einen längeren Zeitraum nicht veränderte — und sein mitgeführtes Material ablagerte. Kies, Schotter, Steine, Findlinge, zusammengepresst zu einem runden Hügel von 63,3 Metern Höhe.
Der Mellenberg als Geotop
Eine weichseleiszeitliche Satzendmoräne — amtlich ausgewiesen
Der Mellenberg ist vom Geologischen Landesamt Hamburg als Geotop ausgewiesen — das bedeutet: ein geologisch bedeutsamer Aufschluss oder eine natürliche Formation, die unter besonderem Schutz steht und für die Bildung zugänglich ist.
Satzendmoränen entstehen an der Stirnseite des Gletschers, wenn dieser seine Lage über einen längeren Zeitraum nicht verändert. Anders als Stauchmoränen — bei denen ältere Schichten abgeschert und verstellt werden — entstehen Satzendmoränen durch einfache Ablagerung des mitgeführten Materials. Aus der Umgebung des Mellenberges sind aus Bohrungen nur Sande und Kiese bekannt — das deutet auf eine Satzendmoräne hin, nicht auf eine Stauchmoräne. Der Mellenberg entstand in der Gabelung zwischen der Volksdorfer und der Meiendorfer Gletscherzunge.
- Der Mellenberg: 63,3 m ü. NN · Höchste natürliche Erhebung im Bezirk Wandsbek
- Geologischer Typ: Weichseleiszeitliche Satzendmoräne
- Ausgewiesen als Geotop vom Geologischen Landesamt Hamburg
- Besteht aus: Geschiebemergel (Kies, Schotter, Steine, Findlinge)
- Entstanden: in der Gabelung der Volksdorfer und Meiendorfer Gletscherzunge
Die Geest
Der alte Rücken Norddeutschlands
Die Geest ist der höher gelegene, sandige und lehmige Teil Norddeutschlands — im Gegensatz zur Marsch, dem flachen, von Flüssen und Meer geprägten Niederungsland. Volksdorf liegt auf der Geest, und das ist der Grund, warum hier kein Überschwemmungsrisiko besteht, die Böden gut drainiert sind und der Wald gedeiht.
Die Geest wurde von der Eiszeit geformt und danach vom Wind — Sandverwehungen aus den Gletscherschmelzgebieten schufen die für Norddeutschland typischen Sandböden. Auf diesen Böden wuchs der Wald, den die Walddörfer ihren Namen verdanken. Die Saselbek, der Allhorndiek-Teich, die Volksdorfer Teichwiesen — all das sind Relikte der Eiszeit: Mulden, Rinnen und Senken, in denen das Schmelzwasser und die Niederschläge gesammelt werden.
Die Tunneltäler
Volksdorfer Teichwiesen: Ein Tunneltal als Naturschutzgebiet
Tunneltäler entstanden unter den Gletschern der Eiszeit — Schmelzwasser floss unter enormem Druck durch den Gletscher und grub dabei tiefe Rinnen in den Untergrund. Nach dem Gletscherrückzug blieben diese Rinnen als flache Täler zurück, oft mit Feuchtwiesen, Mooren oder kleinen Seen. Die Volksdorfer Teichwiesen sind ein solches Tunneltal — 1993 als Naturschutzgebiet ausgewiesen, von der Saselbek durchflossen, mit bedrohten Pflanzen- und Tierarten.
Auch das Kiebitzmoor, das der Volksdorfer Rundwanderweg streift, ist ein eiszeitliches Relikt: ein kleines, in der letzten Eiszeit entstandenes Flachmoor von 1,7 Hektar Größe, als Naturdenkmal ausgewiesen.
Findlinge in Volksdorf
Im Volksdorfer Wald befinden sich zwei historische Grenzsteine — einer von 1838, einer von vermutlich vor 1872. Das sind keine geologischen Objekte, aber sie wurden aus dem Material der Landschaft gemacht: aus den Findlingen, die der Gletscher hinterließ und die Volksdorfer Bauern seit Jahrhunderten aus ihren Feldern sammelten und für Mauern, Steine und Grenzmarkierungen verwendeten.
Findlinge — sogenannte erratische Blöcke — sind Felsbrocken, die der Gletscher aus Skandinavien mitschrieb und irgendwo auf dem Weg ablagerte. In Volksdorf findet man sie an alten Hofmauern, in Garteneinfassungen, als Straßenrandsteine. Sie sind nicht "von hier" — sie kamen vor 12.000 Jahren aus Schweden oder Norwegen. Das ist die längste Immigrationsgeschichte des Stadtteils.
Weichselgletscher erreicht die Linie Hamburg — Volksdorf liegt an der Eisfront
Gletscher bleibt stehen — Mellenberg entsteht als Satzendmoräne
Ende der Weichseleiszeit — Gletscher schmilzt, Landschaft entsteht
Tunneltäler füllen sich mit Wasser — Volksdorfer Teichwiesen entstehen
Wald besiedelt die Geest — die späteren Walddörfer entstehen
Menschen roden und besiedeln das Geestland — Volcwardesdorpe
Volksdorfer Teichwiesen als Naturschutzgebiet ausgewiesen
Naturschutzgebiet Duvenwischen ausgewiesen
Mellenberg als Geotop — amtlich geschütztes geologisches Denkmal
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